INSTITUT FÜR
RAUMEXPERIMENTE



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Wintersemester 2011 - 2012
17. Oktober 2011 -
18. Februar 2012






Teilnehmer des Instituts für Raumexperimente
Ideas are motion
Posterprojekt, Teil 3
20. Januar - 11. April 2011
Video © Olafur Eliasson / Institut für Raumexperimente

"Without Destination - TRAIL", Reykjavik Art Museum - Hafnarhús
Ideen sind Bewegung: Das Plakat als Reiseexperiment

Das Institut für Raumexperimente unter der Leitung des Künstlers Olafur Eliasson ist eine pädagogische Forschungsmodell an der Universität der Künste Berlin. Die Teilnehmer des Instituts erproben Experimente zu räumlichen Praktiken und Fragestellungen, die sich im Rahmen der Plakateserien im Verhältnis zu Gebäuden, städtischen Umgebungen oder in der Landschaften wiederspiegeln. Im Sommer 2010 unternahm eine Gruppe von Studierenden des Instituts mit Osk Vilhámsdóttir als Tourguide eine Wanderung durch das Landesinnere Islands. Das Ergebnis dieser Erfahrung kann man in Form von Plakaten im ganzen Museum sehen. Die Museumsbesucher sind aufgefordert, sich anhand einer speziell für diese Gelegenheit angefertigte Karte des Hafnarhús, auf der die Standorte der Plakate markiert sind, zu orientieren und ihre eigene Expedition zu unternehmen.

Das Institut für Raumexperimente steuert den folgenden Text als Begleitmaterial zu ihrem Projekt bei:
Ideen sind Bewegung: Das Plakat als Reiseexperiment ist wie ein Prisma aufgebaut, das die Durchführung einer gemeinsamen Reise reflektiert: wie kann man ein individuelles künstlerisches Projekt realisieren, während man gleichzeitig in der kollektiven Struktur einer Gruppe unterwegs ist. Die Reisen des Instituts reichen von kulturellen Exkursionen im urbanen Umfeld von Metropolen wie Tokio bis hin zu mehrtägigen Wanderungen weit von städtischen Zentren entfernt wie im Fall Islands. Ideen sind Bewegung, und die Teilnehmer im Institut für Raumexperimente sind eingeladen, eine Reise zu unternehmen, diese Reise in einem Plakat als künstlerisches Projekt zu reflektieren und so aus dieser Reise eine Rundreise zu machen.
Plakate sind Mittel urbaner Kommunikation, materielle Systeme, die der Mobilisierung der Wahrnehmung dienen. Weil Plakate dazu geeignet sind, Bild- und Textinformationen im und in den öffentlichen Raum zu transportieren, werden sie häufig in kommerziellem Zusammenhang zu Reklamezwecken oder zur Ankündigung von Events eingesetzt. Aber Plakate setzen präzise Präsentationsbedingungen voraus und sind an ein Set an Beziehungen zwischen den materiellen Bedingungen des Plakats, den räumlichen Beschränkungen des Orts und den spezifischen Bedingungen geknüpft, die bestimmen und dadurch bestimmt werden, wie wir den Ort je nach Geschwindigkeit, Größenverhältnis, Vorstellungen, Aufmerksamkeitsspanne und den Entfernungen zwischen sich bewegenden Körpern im Umkreis der Plakate erfahren. Auf diese Weise bieten Plakate verschiedenste Möglichkeiten der Rezeption, ohne im Voraus einen künstlerischen Inhalt festlegen zu müssen. Sie bieten gewohnte und ungewohnte räumliche Strukturen an. Dabei kann das kommerzialisierte Plakat — was in der Vergangenheit häufig geschehen ist — unterlaufen werden und einen künstlerischen Tenor erhalten.

Die in »Ideen sind Bewegung« dargestellten Reisen fanden statt in:
(1) Zagreb (Kroatien) (2) Japan (3) Island.

Zur ersten Hälfte des Plakatexperiments gehört, dass jeder einzelne Teilnehmer gebeten wird, basierend auf seinem spezifischen künstlerischen Interesses und unter Benutzung eines Plakatformats ein individuelles Projekt zu entwerfen. Die Parameter für die Experimente sahen vor, dass ihr Inhalt von dem Ort, der Bewegung, dem Raum und der Zeit inspiriert werden sollen, die für jede Reise spezifisch waren. Orte sind Prozesse. Jeder Blickwinkel innerhalb eines Prozesses ist eine Verzerrung dessen, was übergreifend im Ganzen stattfindet. Und während der Inhalt eines jeden einzelnen Plakats die unterschiedlichen Blickwinkel der Teilnehmer widergespiegelt (einige Plakate sind Skizzen von Ideen, andere sind Behauptungen, autonome Projekte oder Projektvorschläge ...), wird das Institut für Raumexperimente in der Gesamtheit der Plakate ebenfalls widergespiegelt. Die zweite Hälfte des Experiments besteht in der Organisation von Gruppenausstellungen der Plakate. Nach Abschluss der Exkursion und der Produktion der Plakate reisen diese zu den Städten zurück, die auf den Reisen besucht wurden. Mit Kuratoren und kulturellen Institutionen an den jeweiligen Orten wird Kontakt aufgenommen, um mit ihrer Hilfe geeignete Ausstellungskontexte zu entwickeln. Auf diese Weise spiegeln sich die Reisen zunächst in individuellen Plakaten wider, und dann werden Erfahrungen und Eindrücke durch das jeweilge Ausstellungformat an den jeweiligen Orten kommuniziert. Das Kuratieren der Ausstellungen als Serie kultureller Beziehungen reflektiert ebenfalls zurück auf das Experiment, den Prozess als sich wandelnde Ideen in Bewegung zu begreifen. Die Ausstellung gibt jedem Experiment einen Eindruck von Geschlossenheit und versteht sich gleichzeitig als Explosion von Ideen in die Welt hinaus. Die verschiedenen Reflexionsübungen - von den Einzel- über die Gruppenausstellungen bis hin zu einer Publikationsreihe - verstehen sich als ein Prozess, in dem Denken zu einem Gedanken verdichtet.

Das Institut für Raumexperimente unter Leitung von Prof. Olafur Eliasson ist als Projekt an die Fakultät Bildenden Kunst der Universität der Künste Berlin (UdK) angeschlossen und wird durch die Senatsverwaltung für Bildung Wissenschaft und Forschung, Berlin gefördert.